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Episode
3
1h

Professor Maximilian M眉ller

Worauf Unternehmen jetzt hinsichtlich Reporting achten sollten

Professor Maximilian M眉ller

Zwischen Regulierung und Realit盲t - 眉ber die Zukunft & den Status Quo der Nachhaltigkeitsberichterstattung

In dieser Episode von Talking Proof spricht mit , Professor Accounting & Reporting an der Universit盲t K枚ln 眉ber die aktuellen Entwicklungen im Bereich der nichtfinanziellen Berichterstattung, insbesondere im Kontext des ESG-Reportings. Max, Experte f眉r Nachhaltigkeitsberichterstattung, teilt seine Erkenntnisse 眉ber die notwendige Professionalisierung von ESG-Strategien. Die Herausforderungen, die Unternehmen beim Verbinden von Nachhaltigkeits- und Finanzkennzahlen begegnen, werden ebenso beleuchtet wie die Notwendigkeit eines ausgewogenen Reportings, das sowohl Risiken als auch Chancen aufzeigt. Au脽erdem wird er枚rtert, wie neue Technologien, insbesondere KI, die Effizienz und Genauigkeit im Reporting-Prozess steigern k枚nnen.听

Talking Proof Reporting

Kurz & knapp - darum geht鈥檚 in dieser Folge

Professor Maximilian M眉ller spricht 眉ber die aktuelle Entwicklung von Nachhaltigkeitsreporting im Kontext der CSRD. ESG wird zunehmend rationaler und professioneller 鈥 weg von moralischen Debatten, hin zu standardisierten, vergleichbaren und belastbaren Daten.

Er zeigt auf, wie Unternehmen durch Reporting nicht nur externe Pflichten erf眉llen, sondern interne Steuerung verbessern k枚nnen: Nachhaltigkeit wird transparenter, Silos werden aufgebrochen und faktenbasierte Diskussionen gef枚rdert.

Zentrales Thema: Reporting als Hebel f眉r strategische Entscheidungen und kulturellen Wandel im Unternehmen.

Am Ende finden Sie au脽erdem:

馃憠 F眉nf konkrete Dinge, die Unternehmen jetzt tun k枚nnen.

Der gesamte Podcast zum Nachlesen

Lukas: Hallo Max. Ich freue mich sehr, dich heute hier bei Talking Proof begr眉脽en zu d眉rfen. Vielleicht startest du kurz mit einem Intro: Wer bist du und was ist in aller K眉rze deine Story?

Professor Max: Vielen Dank f眉r die Einladung. Ich bin in der Wissenschaft t盲tig und Professor an der Universit盲t K枚ln. Inhaltlich besch盲ftige ich mich mit Reporting. Historisch lag mein Fokus vor allem auf der Finanzberichterstattung, in den letzten Jahren zunehmend auf Nachhaltigkeits- und ESG-Reporting 鈥 insbesondere im Kontext der CSRD.

Das hat uns auch in der Wissenschaft stark besch盲ftigt: Wie k枚nnen wir hier einen positiven Beitrag leisten? Aus diesem Grund haben wir vor einigen Jahren den gegr眉ndet. Das ist eine Open-Science-Plattform, mit der wir versuchen, wissenschaftliche Erkenntnisse, Daten und Insights f眉r ein breites Publikum zug盲nglich zu machen.

ESG - wie geht es weiter?

Lukas: Wenn du nach vorne blickst: Was kommt aus deiner Sicht als N盲chstes im Bereich ESG?

Professor Max: Ich glaube, wir treten gerade in eine Phase ein, in der ESG deutlich rationaler betrachtet wird 鈥 weniger moralisch aufgeladen, weniger emotionalisiert. R眉ckblickend sehe ich die letzten Jahre netto positiv. ESG-Reporting ist erwachsener geworden.

Es hat sich st盲rker an die Finanzberichterstattung angen盲hert: n眉chterner, vielleicht auch langweiliger, aber daf眉r standardisierter, vergleichbarer und verl盲sslicher. Die Hoffnung ist, dass diese Datenbasis jetzt genutzt wird, um rational zu analysieren: Wo stehen Unternehmen? Wo steht der Unternehmenssektor? Wo stehen wir als Gesellschaft in Sachen Nachhaltigkeit?

Wenn wir in die Zukunft schauen, gibt es zwei gro脽e Themen:
Erstens die Transformation hin zu einer CO鈧-neutralen Wirtschaft 鈥 die aktuell politisch eher verw盲ssert wird.
Zweitens die physische Realit盲t des Klimawandels, die wir immer st盲rker sp眉ren. Und diese Realit盲t wird Unternehmen unabh盲ngig von politischen Debatten besch盲ftigen.

Ein zentrales Problem sehe ich aktuell bei den Unternehmen, die fr眉hzeitig investiert haben 鈥 in der Erwartung einer klaren Transformationsrichtung. Diese Unternehmen sehen sich jetzt mit ver盲nderten Spielregeln konfrontiert und m眉ssen pr眉fen, ob ihre angesto脽enen Aktivit盲ten weiterhin profitabel betrieben werden k枚nnen.

CSRD Reporting & Nachhaltigkeitsstrategie

Lukas: Wenn wir 眉ber Reporting und physische Risiken sprechen: In der nichtfinanziellen Berichterstattung tauchen Klimarisiken ja immer st盲rker auf. Hast du in deiner Forschung gesehen, dass diese Verkn眉pfung in der ersten Welle der CSRD-Berichte bereits stattfindet?

Professor Max: Ja, absolut. Die erste Welle betrifft vor allem gro脽e, b枚rsennotierte Unternehmen, die erstmals nach neuen Standards berichtet haben. Was klar sichtbar ist: ein deutlich st盲rkerer Fokus auf die Auswirkungen der Gesch盲ftst盲tigkeit auf Umwelt und Gesellschaft 鈥 und im Umkehrschluss auf Risiken und Chancen.

Viele Unternehmen haben durch das Reporting erkannt: 鈥濿ir m眉ssen Nachhaltigkeit professioneller managen als bisher 鈥 uns fehlt teilweise sogar eine echte Strategie.鈥

Ein entscheidender Punkt ist die neue Vergleichbarkeit. Unternehmen k枚nnen jetzt innerhalb ihres Sektors besser eingeordnet werden. Man kann deutlich besser die Spreu vom Weizen trennen.

Neben der Au脽enwirkung ist auch die interne Perspektive enorm wichtig. Jetzt, wo die Reporting-Infrastruktur steht, sollten Unternehmen sie aktiv f眉r Steuerung nutzen 鈥 um Ma脽nahmen voranzutreiben und die zuvor formulierten Ziele tats盲chlich zu erreichen.

Silos aufbrechen durch Reporting

Lukas: Wir sehen bei 糖心传媒 h盲ufig, dass Reporting zun盲chst von Projektteams oder Task Forces getragen wird. Gleichzeitig sind durch die vielen Standards fast alle Unternehmensbereiche involviert. Hast du beobachtet, dass Reporting inzwischen auch andere Fachbereiche st盲rker einbindet?

Professor Max: Ja, genau das ist die gro脽e Hoffnung. Reporting soll kein Dokument sein, das man auf die Website l盲dt und dann weitermacht wie vorher.

Ein Beispiel: Berichtsanforderungen zur Wertsch枚pfungskette 鈥 etwa zu Treibhausgasemissionen im Einkauf oder bei der Nutzung der Produkte durch Kunden 鈥 zwingen Unternehmen dazu, mit Einkauf, Vertrieb und anderen Bereichen ins Gespr盲ch zu kommen.

Allein durch das Reporting entstehen neue Kommunikationslinien im Unternehmen. In vielen Projekten wurden diese Bereiche bereits stark eingebunden. Jetzt gilt es, dieses Momentum zu nutzen: ein gemeinsames Verst盲ndnis aufzubauen und gemeinsam an 尝枚蝉耻苍驳别苍 zu arbeiten.

Wer liest Nachhaltigkeitsberichte wirklich?

Lukas: Eine Frage, die wir oft h枚ren 鈥 auch von unseren Kunden: Wer liest diese Berichte eigentlich wirklich? Sind das nur Investoren und Auditoren oder auch andere Stakeholder?

Professor Max: Das ist eine sehr berechtigte Frage. Die ehrliche Antwort ist: Nicht jeder liest einen Nachhaltigkeitsbericht von vorne bis hinten. Aber das war bei Finanzberichten nie anders.

Die Berichte werden sehr gezielt genutzt. Analysten, Investoren, Banken, Ratingagenturen, aber auch Kunden oder NGOs greifen punktuell auf genau die Informationen zu, die sie brauchen. Und genau daf眉r ist Standardisierung so wichtig 鈥 damit diese Informationen auffindbar, vergleichbar und belastbar sind.

Was ich kritisch sehe, ist, wenn Unternehmen Reporting ausschlie脽lich als Pflicht眉bung verstehen. Der eigentliche Mehrwert entsteht dann, wenn man die Informationen intern nutzt, um Risiken besser zu verstehen, um Investitionsentscheidungen zu treffen und um Priorit盲ten zu setzen.听 Dann wird Reporting vom reinen Compliance-Thema zu einem Steuerungsinstrument.

Fokus & Unternehmenskultur

Lukas: Viele Nachhaltigkeitsteams berichten uns, dass sie sich 眉berfordert f眉hlen: zu viele KPIs, zu viele Themen, zu viele Anforderungen gleichzeitig. Wie kann man da sinnvoll priorisieren?

Professor Max: Das ist tats盲chlich eine der gr枚脽ten Herausforderungen. Mein Rat w盲re: Fokus ist entscheidend. Nicht alles ist gleich wichtig. Die doppelte Wesentlichkeit hilft hier sehr, wenn sie ernsthaft durchgef眉hrt wird. Unternehmen m眉ssen sich fragen: Was hat wirklich signifikante Auswirkungen? Wo liegen echte Risiken und Chancen f眉r das Gesch盲ftsmodell? Wer versucht, alles gleichzeitig perfekt zu machen, wird am Ende nichts richtig steuern k枚nnen.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Organisation im Unternehmen. Nachhaltigkeit darf kein isoliertes Spezialthema bleiben. Es muss klar sein, welche Rolle Einkauf, Produktion, HR, Finance oder Vertrieb spielen.

Gerade die N盲he zur Finanzfunktion ist extrem wertvoll. Dort gibt es Erfahrung mit Datenqualit盲t, internen Kontrollen und Governance. Davon kann Nachhaltigkeitsmanagement enorm profitieren.

Lukas: Das zahlt ja stark auf das Thema Unternehmenskultur ein. Siehst du Reporting auch als Hebel f眉r kulturellen Wandel?

Professor Max: Ja, absolut. Reporting zwingt Unternehmen, Dinge transparent zu machen, die vorher implizit waren. Das ver盲ndert Diskussionen.

Pl枚tzlich wird gefragt: Warum machen wir das so?听 Warum setzen wir uns dieses Ziel 鈥 oder eben nicht?

Das kann unbequem sein, aber genau darin liegt der Wert. Reporting schafft einen gemeinsamen Referenzrahmen, 眉ber den man faktenbasiert diskutieren kann.

Blick in die Zukunft

Lukas: Wenn wir zwei, drei Jahre in die Zukunft schauen: Wie sieht aus deiner Sicht ein gutes Sustainability-Setup aus?

Professor Max: Nachhaltigkeit wird dann ein selbstverst盲ndliches Querschnittsthema sein 鈥 盲hnlich wie Arbeitssicherheit oder Compliance heute. Niemand diskutiert mehr, ob man sich damit besch盲ftigt, sondern nur noch wie gut.

Der Fokus wird st盲rker auf Effizienz liegen:effizientere Prozesse, bessere Daten, klarere Verantwortlichkeiten. Und weniger auf Grundsatzdebatten.

Was Unternehmen aktuell bremst, ist das politische Hin und Her. Vereinfachung ist grunds盲tzlich gut, aber st盲ndige Richtungswechsel schaffen Unsicherheit.

Unternehmen brauchen stabile Rahmenbedingungen, damit sie ihre Systeme sauber aufsetzen und weiterentwickeln k枚nnen 鈥 statt st盲ndig nachzujustieren.

Lukas: Das ist ein starkes Schlusswort. Vielen Dank f眉r deine Zeit und die Einblicke 鈥 sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus praktischer Perspektive.

Drei konkrete Dinge, die Unternehmen jetzt tun k枚nnen.

  1. Reporting als Dialoginstrument nutzen - nicht nur als Pflichtdokument: Nachhaltigkeitsreporting sollte aktiv genutzt werden, um Gespr盲che zwischen Abteilungen anzusto脽en (z. B. Einkauf, Vertrieb, Finance, HR). So entsteht ein gemeinsames Verst盲ndnis f眉r Ziele, Risiken und Verantwortlichkeiten.

  2. Fokus durch echte Priorisierung schaffen: Mithilfe der doppelten Wesentlichkeitsanalyse klar festlegen, welche Themen wirklich entscheidend sind - und diese konsequent verfolgen. Weniger KPIs, daf眉r mehr Wirkung: Das entlastet Teams und erh枚ht die Umsetzbarkeit.

  3. Nachhaltigkeit organisatorisch verankern: Nachhaltigkeit als Querschnittsthema etablieren und eng mit der Finanzfunktion verzahnen. Klare Rollen, saubere Datenprozesse und Governance-Strukturen f枚rdern Professionalit盲t und machen Nachhaltigkeit zum selbstverst盲ndlichen Teil der Unternehmenskultur.

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